FWG zur Schulsozialarbeit

(Kreistagssitzung vom 12.11.2013)

Sehr geehrter Herr Landrat,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen des Kreistages!

Die Schulsozialarbeit ist dem Landkreis zugeordnet und ist eine wichtige Ergänzung der pädagogischen Arbeit in den Schulen, um junge Menschen intensiver betreuen zu können.  Sie steht im Schnittpunkt der Verantwortung von Jugendhilfe und Schule und ist für die FWG-MYK ein wichtiges eigenständiges Handlungsfeld, das es langfristig zu sichern gilt. Die Gründe liegen auf der Hand, denn die Schulsozialarbeit dient zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen bzw. zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen von Schulkindern aller Schularten.

Die Vorteile einer dauerhaften Etablierung und Finanzierung der Schulsozialarbeit liegen darin, dass sie in unseren Schulen vor Ort agiert und somit täglich Zugang zur Zielgruppe, das heißt zu Kindern, Jugendlichen, Lehrern und Eltern, hat.

Dies ermöglicht ein flexibles und bedarfsorientiertes Arbeiten direkt vor Ort, das Lehrpersonal und die Arbeit in der Schule wird direkt unterstützt. Gleichzeitig führt die Präsenz und Kontinuität von Schulsozialarbeitsangeboten vor Ort dazu, dass der Zielgruppe ein weitaus leichterer Zugang zu Beratungs- und Hilfeangeboten ermöglicht werden kann. Da die Schulsozialarbeit nicht der Schulverwaltung unterstellt ist, bietet sie der Zielgruppe dadurch auch einen besonderen Vertrauensschutz.

Die Schulsozialarbeit ist nicht nur in Krisenzeiten ansprechbar, sondern sie teilt und erlebt mit den Schüler/innen den Schulalltag und begleitet langfristig Entwicklungen.

Wir alle sind uns darin einig, dass hier die Personengruppen gefördert werden, die besondere Hilfestellungen benötigen! Folgerichtig ist also, dass es nicht nur einer sozial eingestellten Gesellschaft gut zu Gesicht steht, sondern es hier im Kreistag unsere Pflicht und Aufgabe ist, an der Weiterentwicklung der Schulsozialarbeit zu arbeiten und vor allem eine langfristigen Finanzierung von Bund und Land zu fordern. Liest man die Vorlage, dann muss man die Frage an Mainz und Berlin richten, ob das bisherige, pendelnde Finanzierungssystem, dieses hin und her, das Auf und Ab der Fördergelder angesichts der dringenden Aufgaben nicht wirklich überholt ist. Auch im kommenden Jahr bleibt nämlich eine gewisse Hilfs- und Ratlosigkeit bezüglich der Finanzierung durch Bund und Land bestehen.

 

Wie heißt es in der heutigen Vorlage, Zitat “eine endgültige Entscheidung soll im Rahmen der Beratungen des Doppelhaushalte 2014/15 der Landesregierung erfolgen“.

 

Toll, so einfach machen die es sich da oben!

Sollen wir die Pädagogen etwa bis dahin entlassen?

Nein, so geht das nicht, das ist nicht in Ordnung und höchst unfair!

Die generelle finanzielle Unterversorgung der kommunalen Familie im Kreis MYK durch Bund und Land und ihre Folgen ist nicht nur ein Problem der Zukunft, sondern eins von heute, dass von allen Verantwortlichen, vor allem von Sozial- und Familienpolitikern in Land und Bund, viel intensiver diskutiert und nachhaltig gelöst werden muss. Vor diesem Hintergrund werden Forderungen nach einer angemessenen Finanzausstattung der Kommunen im Land schon seit Jahren von den Freien Wählern erhoben. Und diese Forderung ist auch jetzt im November 2013 immer noch das zentrale kommunale Thema. Man darf gar nicht darüber nachdenken, was wird, wenn sich in Deutschland die Wirtschaftslage wieder verschlechtern sollte.  

Jetzt stehen wir jedenfalls vor der Aufgabe, trotz leerer Kassen, wieder in Vorlage zu gehen. Die FWG-MYK fordert Bundes- und Landregierung auf, die Finanzierung der Schulsozialarbeit unbefristet fortsetzen, die Städte und Gemeinden können das alles nicht langfristig abfedern, was von oben zusammen gestrichen bzw. unterlassen wird. Insbesondere in den Problemvierteln des Landkreises MYK können die Schulen nicht mehr auf die Sozialarbeit verzichten. Dabei stellen wir eine spürbare Verbesserung an den Schulen fest, wo Sozialarbeit geleistet wird. Die Sozialpädagogen übernehmen Aufgaben, die die Lehrerinnen und Lehrer allein nicht leisten könnten.

Schulsozialarbeit bedeutet:

  • Soziale Einzelfall- und Gruppenarbeit
  • Kooperation innerhalb der Schule und im Gemeinwesen
  • Krisenintervention
  • Präventive Arbeit (thematische Angebote)
  • Projekte (Erlebnispädagogik)
  • Klärung von Streitigkeiten im Schulalltag
  • Beratungsgespräche, z. B. bei Erziehungsfragen, Erziehungsproblemen, Schulschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, Krisen in schwierigen Lebenssituationen, körperlichen und sexuellen Gewalterfahrungen, Essstörungen, Suchtverhalten/ Drogen- und Alkoholproblemen, Familienkonflikten .
  • Informationen zu speziellen Themen, z. B. Alkohol, Drogen, Sexualität, Schwangerschaft, Pubertät .
  • Vermittlung in weiterführende Hilfeangebote
  • Hausbesuche und Begleitung zu Terminen

Würde der Landkreis jetzt nicht wieder einspringen, würden  Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen ihre Arbeit verlieren. Aber allen voran würden die verlieren, die sich am wenigsten wehren können – die Schülerinnen und Schüler, unsere Kinder, im Landkreis Mayen-Koblenz. Das lassen die Freien Wähl im Kreis Mayen-Koblenz nicht zu und deshalb stimmen wir, trotz der finanziellen Mehrbelastungen, der Vorlage zu.

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